Le monde de l'énergieRéseaux & Infrastructures

Lebt man ohne Netz glücklicher?

Das jedenfalls glauben die „Off-the-Grid“-Anhänger. Diese Lebenseinstellung stammt von Survival-Aktivisten, die für eine vollständige Energieunabhängigkeit eintreten, ungeachtet der in Versorgungsnetzen verfügbaren Energie wie Strom, Gas oder sogar Wasser.

Eine Formel, die immer mehr Anhänger findet

In den USA, wo das Konzept entwickelt wurde, entscheidet sich eine wachsende Anzahl von Menschen gegen den Anschluss an das Wasser- oder Stromnetz. Der Zeitschrift USA Today zufolge sind es bereits mehr als 180.000, die netzunabhängig leben. In Finnland haben Gemeinden, Hausbesitzer und ganze Stadtviertel darauf verzichtet, an das Stromnetz angeschlossen zu werden, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Ermutigt wurden sie dabei vom Plan der Regierung, dass 38 Prozent der Energie bis 2020 aus erneuerbaren Quellen stammen muss. Sie vertrauen auf Solaranlagen in Verbindung mit Windenergie oder Energieanlagen, die mit Holzpellets befeuert werden. Das Konzept des Passivhauses, das so viel erneuerbare Energie produziert wie es verbraucht, setzt sich auch in anderen europäischen Ländern immer mehr durch.

Großunternehmen haben ebenfalls den Trend erkannt. In den USA leiden die Menschen aufgrund der veralteten Versorgungsnetze und der extremen Witterungsbedingungen in letzter Zeit immer öfter unter Stromausfällen. Deshalb investieren viele Unternehmen wie der Internetgigant Google und die große Einzelhandelskette Wal-Mart in Sonnenkollektoren und Windkraft, um ihre Gebäude und Einrichtungen mit Energie zu versorgen. Einige planen sogar, in naher Zukunft ihren gesamten Energiebedarf aus vollständig erneuerbaren und eigenen Energiequellen zu decken.

Ist Afrika bald der wichtigste netzunabhängige Markt der Welt?

Paradoxerweise könnte die netzunabhängige Industrie in den nächsten Jahren gerade auf dem afrikanischen Kontinent explodieren. In den ländlichen Gebieten südlich der Sahara, wo 63 Prozent der Bevölkerung Afrikas leben, ist der Zugang zu Elektrizität aufgrund der Entfernungen und der fehlenden Infrastruktur erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Die Lösung heißt „Off-the-Grid“. Den Prognosen der Internationalen Energieagentur zufolge werden im Jahr 2040 zwei Drittel der Mininetze in den ländlichen Gebieten aus Fotovoltaik sowie kleinen Wind- oder Wasserkraftanlagen gespeist. Diese einfachen Anlagen dürften große Auswirkungen auf den Alltag der Afrikaner. Sie werden oft kommerziell betrieben, um die Gemeinschaften mit Off-the-Grid-Lösungen zu versorgen. Auf diese Weise gewinnt die lokale Bevölkerung eine relative finanzielle Unabhängigkeit.

Eine lokale Lösung

Ein Leben ohne Netz ist also keine Utopie mehr, aber sie ist auch nicht DIE Lösung für alle Energieprobleme. Dieses Konzept ist zweifellos eine interessante ökologische und wirtschaftliche Alternative für lokale Projekte, kann jedoch nicht auf ein ganzes Land übertragen werden. Außerdem gibt es Probleme mit der Produktionskapazität und die Kosten sind hoch. Bei einer Überproduktion ist es nicht möglich, den Strom auf den Markt zu bringen, wenn man nicht an ein Verteilernetz angeschlossen ist. Umgekehrt kann keine andere Energiequelle angezapft werden, wenn der Ertrag zu gering ist. Auch die Kosten sind nicht unerheblich. In Afrika ist eine Stromautarkie dank der günstigen klimatischen Bedingungen nicht mit allzu hohen Kosten verbunden. In unseren Breitengraden ist das nicht der Fall. Der Bau eines Nullenergiehauses ist mit Mehrkosten verbunden, die sich bestenfalls in zehn Jahren amortisieren. Nicht jeder kann sich solche Ausgaben im Vorfeld leisten.

Join the discussion

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.